Auslichten, das die Blütenknospen für nächstes Jahr zerstört
Was nach dem Schnitt am Stumpf passie
Ein häufiger Fehler ist der Schnitt bei immergrünen Stauden wie Bergenie oder Purpurglöckchen. Sie behalten ihre Blätter über den Winter und sollten nur von welken Blütenständen befreit werden. Ein starker Rückschnitt im Herbst nimmt ihnen den Schutz und die Kraftreserven. Ähnlich verhält es sich mit Gräsern: Während viele Horstgräser im Frühjahr knapp über dem Boden abgeschnitten werden, lässt man sie im Herbst unberührt. Wer sie jetzt kürzt, beraubt sich des winterlichen Winterschmucks und setzt die Pflanzen unnötig Kälte aus.
Typische Fehler passieren beim Winkel und beim Ansatz. Ein Schnitt, der zu weit vom Auge entfernt sitzt, hinterlässt einen langen Stummel, der vertrocknet und zurückstirbt. Ein Schnitt, der zu dicht am Auge liegt, verletzt die Knospe. Ein waagerechter Schnitt hält Regenwasser und fördert Fäulnis. Ein Schnitt, der nach innen zeigt, treibt in die Pflanzenmitte und sorgt für gedrängten Wuchs, der Luft und Licht nimmt.
Pflaumen und Zwetschgen tragen am Holz, das im Vorjahr gewachsen ist. Wer im Winter oder zeitigen Frühjahr einfach stark zurückschneidet, entfernt genau jene einjährigen Triebe, an denen im kommenden Sommer die Blüten sitzen. Der Baum reagiert mit langen, senkrechten Neutrieben – viel Blatt, kaum Frucht. Der häufigste Fehler ist der „Verjüngungsschnitt" im Februar, wie man ihn von Apfelbäumen kennt. Bei Steinobst ist das ein Eigentor.
Für dicke Äste gehört eine scharfe Säge mit grober Zahnung ins Werkzeug. Eine stumpfe Kette oder ein zu feines Blatt verklemmt und hinterlässt ausgefranste Kanten. Bei starkem Zuggewicht lohnt es sich, den Ast vorher mit einem Seil leicht zu sichern, damit er nicht unerwartet dreht. Wer auf einer Leiter arbeitet, sollte den Fallweg des Astes vorher freiräumen und nie unter dem Schnitt stehen.
Nach der Blüte entscheidet sich oft, ob eine Staude im nächsten Jahr wieder kräftig austreibt oder ob sie vergreist. Viele Arten brauchen dann einen Rückschnitt, andere dagegen sollten unbedingt stehen bleiben – sei es wegen der Samenstände, der Winterhärte oder weil sie erst spät im Jahr neue Knospen ansetzen. Wer unterschiedslos alles abschneidet, nimmt sich selbst die Blüte des Folgejahres. Deshalb lohnt es sich, vor dem Griff zur Schere genau hinzuschauen.
Grundsätzlich gilt: Stauden, die nur einmal im Frühjahr oder Frühsommer blühen und danach keine Zierwirkung mehr haben, können nach der Blüte zurückgeschnitten werden. Dazu gehören zum Beispiel Frauenmantel, Storchschnabel oder Katzenminze. Schneidet man sie bis auf eine Handbreit über dem Boden zurück, treiben sie oft noch einmal frisch durch und bilden mit etwas Glück eine zweite, wenn auch schwächere Blüte. Wichtig ist, nicht ins alte Holz zu schneiden, sondern einen kräftigen Blatt- oder Triebknoten stehen zu lassen. Ein zu tiefer Schnitt ins holzige Zentrum verträgt kaum eine Staude.
Warum das einzelne Auge die Kraft bünde
Die Faustregel lautet also: Was nach der Blüte noch grün und gesund aussieht, darf bleiben. Was braun, matschig oder krank ist, kommt weg. Und alles, was im Winter als Struktur oder Vogelnahrung dient, wird erst im Frühjahr geschnitten. So übersteht der Staudenbestand die kalte Jahreszeit und startet kräftig in die nächste Saison.
Für den Rückschnitt selbst gilt: sauberes, scharfes Werkzeug verwenden, um Quetschungen zu vermeiden. Stängel möglichst knapp über einem Blattpaar oder einer Knospe abschneiden, damit die Pflanze dort neu austreiben kann. Bei verblühten Blütenständen, die nur der Optik wegen entfernt werden, genügt es, den Stiel bis zum ersten kräftigen Blatt zurückzunehmen. Wer unsicher ist, lässt lieber mehr stehen und schneidet im zeitigen Frühjahr nach, wenn die Gefahr von Frostschäden vorbei ist.
Was stehen bleibt, hat seinen Grund Andere Stauden sollten nach der Blüte nicht angerührt werden. Sonnenhut, Rudbeckie und Fetthenne bilden dekorative Samenstände, die im Winter Struktur in den Garten bringen und Vögeln Nahrung bieten. Zudem schützt das trockene Laub die Pflanze vor Frost und verhindert, dass Wasser in hohle Stängel eindringt und das Herz der Staude verfaulen lässt. Wer diese Arten zurückschneidet, riskiert Ausfälle im Winter. Auch Herbstblüher wie Astern oder Chrysanthemen werden erst im Frühjahr geschnitten, nicht direkt nach der Blüte.
Nach dem Schnitt wird die Rose gedüngt und angegossen, falls der Boden trocken ist. Alle entfernten Triebe und Blätter kommen in den Restmüll, nicht auf den Kompost, weil Pilzsporen und überwinternde Schädlinge sonst wieder in den Garten gelangen. Bei öfter blühenden Sorten folgt später im Sommer ein zweiter, leichter Rückschnitt nach der ersten Blüte. Einmal blühende Rosen werden nur einmal im Jahr geschnitten, direkt nach der Forsythienblüte. Wer diesen Rhythmus einhält, bekommt kräftige Triebe, offene Pflanzen und deutlich weniger Pilzdruck als bei einem Schnitt nach Gefühl.