4 Schritte, mit denen die Kette wieder gerade läuft

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Zuerst wird der Ist-Zustand festgestellt. Das Rad steht senkrecht, der Rahmen ist sauber, die Kette liegt auf dem mittleren Kettenblatt und einem mittleren Ritzel. Von hinten peilt man über die Kette zum vorderen Kettenblatt. Eine gerade Linie bedeutet, dass die Leitachse stimmt. Zeigt die Kette einen Bogen, ist die Abweichung sichtbar. Wer nur nach dem Schaltwerk schaut, übersieht die Hälfte des Problems, denn die vordere Führung entscheidet mit.

Die zweite Variante erfordert mehr Erfahrung. Man schneidet nach der Herbsternte nur den Teil der Rute ab, der Früchte getragen hat, etwa bis zur Hälfte oder zwei Dritteln der Höhe. Die verbleibenden unteren Knospen treiben im Frühjahr aus und bilden im Sommer Blüten. Wer zu tief schneidet, zerstört diese Knospen und verliert die Sommerträge. Wer zu wenig abschneidet, lässt alte, erschöpfte Ruten stehen, die kaum noch Früchte ansetzen und die Pflanze unnötig belasten. Ein guter Kompromiss ist es, den Schnitt im zeitigen Frühjahr vor dem Austrieb durchzuführen, wenn man die abgestorbenen Spitzen klar von den lebenden unteren Teilen unterscheiden kann.

Typische Fehler entstehen aus Ungeduld. Wer eine überwachsene Hecke mit der Heckenschere auf die gewünschte Höhe zurücknimmt und dabei in das alte Holz gerät, schafft kahle Flächen, die von unten sichtbar bleiben. Ein weiterer Fehler ist der Schnitt in der prallen Mittagssonne oder bei Frost: Die Schnittstellen trocknen aus oder erfrieren, was den Schaden verstärkt. Der richtige Zeitpunkt liegt im späten Frühjahr nach dem Austrieb oder im Spätsommer, wenn die Triebe ausgereift sind. Ein leichter Formkorrekturschnitt ist auch im Sommer möglich, solange man die grüne Zone nicht verlässt.

Nach dem Schnitt sollte die Krone so aussehen, dass ein Vogel hindurchfliegen könnte. Bleibt zu viel Holz stehen, war der Eingriff zu zaghaft; wurde mehr als ein Viertel der Krone entfernt, war er zu stark und der Baum reagiert mit vielen neuen Wasserschossen. Schnittwunden über drei Zentimeter behandelt man mit einem Wundverschluss, kleinere heilen von selbst. Das Schnittgut entfernt man aus dem Garten, damit sich Krankheitserreger nicht im Falllaub oder in den Ästen vermehren. Wer diese Reihenfolge jedes Jahr einhält, hält den Apfelbaum über Jahrzehnte gesund und ertragreich.

Nicht jedes Gehölz verträgt das. Thuja, Scheinzypresse und Wacholder treiben aus dem alten Holz kaum oder gar nicht aus. Bei ihnen bleibt nach einem Radikalschnitt eine dauerhafte Lücke. Hingegen Eibe, Hainbuche, Liguster, Buche und Weißdorn regenerieren zuverlässig, wenn der Schnitt kräftig genug ausfällt. Ein halbherziger Rückschnitt auf halbe Höhe ohne Rücksicht auf schlafende Augen ist ein typischer Anfängerfehler: Die Pflanze bleibt kahl, weil keine neuen Knospen aktiviert wurden.

Thuja ist ein Nadelgehölz, das seinen Austrieb fast ausschließlich an den grünen, benadelten Trieben bildet. Wird ein Zweig bis in den kahlen, holzigen Bereich zurückgeschnitten, treibt er dort in der Regel nicht mehr aus. Diese Eigenschaft ist der entscheidende Punkt, den viele beim Rückschnitt unterschätzen. Wer die Grenze zwischen grünem Nadelkleid und altem Holz nicht erkennt, schneidet Lücken, die nie wieder zuwachsen.

Häufige Fehler sind bekannt. Viele stellen die Anschläge ein, bevor die Zugspannung stimmt. Andere drehen an beiden Schrauben gleichzeitig und verlieren die Ausgangslage. Wieder andere prüfen nur im Stand, nicht unter Last. Eine Kette, die im Stand gerade läuft, kann unter Druck seitlich ausweichen. Deshalb gehört eine kurze Fahrt auf ruhiger Strecke zum Test dazu. Erst dann zeigt sich, ob die Leitachse wirklich korrigiert ist.

In der Praxis heißt das: Vor jedem Schnitt muss man prüfen, wo der grüne Bereich endet. Wer unsicher ist, schneidet zunächst nur die äußeren Triebspitzen und beobachtet den Austrieb. Ein radikaler Rückschnitt in einem Arbeitsgang ist riskant. Besser ist es, die Hecke über mehrere Jahre schrittweise in Form zu bringen, indem man jedes Jahr nur wenige Zentimeter bis knapp an die Grenze herangeht. So bleibt der grüne Mantel erhalten und die Pflanze behält ihre dichte Struktur.

Himbeeren wachsen an zweijährigen Ruten. Im ersten Jahr bildet die Rute nur Blätter und Knospen, im zweiten Jahr trägt sie Früchte und stirbt danach ab. Wer das versteht, schneidet automatisch anders. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch darin, ob eine Sorte nur einmal pro Jahr trägt oder ein zweites Mal an den neuen Ruten des gleichen Jahres. Wer beide Typen gleich behandelt, verliert entweder die Herbsternte oder schwächt die Pflanze dauerhaft.

Wann der Radikalschnitt unvermeidbar wird Ein Radikalschnitt wird nötig, wenn die Hecke unten kahl ist, wenn sie die gewünschte Höhe deutlich überschritten hat oder wenn zwei benachbarte Gehölze unterschiedlich stark wachsen. Dann wird nicht mehr auf Sicht, sondern auf Struktur geschnitten. Das bedeutet: Ein Trieb wird nicht an der Spitze gekürzt, sondern bis auf einen kräftigen Seitenast oder bis nahe an den Boden zurückgenommen. Nur so bildet die Pflanze aus schlafenden Augen neue Triebe, statt an der Schnittstelle zu verharren.