Vorhänge und Gardinen – Mehr als nur Stoff am Fenster
Ein letzter Tipp aus der Praxis: Investiert in gute Stühle. Die Sitzhöhe sollte zur Tischhöhe passen, sonst hängt man beim Essen in einer ungesunden Haltung. Idealerweise sitzt man mit einem rechten Winkel in den Knien und die Unterarme liegen locker auf der Tischplatte auf. Ich habe meine Stühle vor dem Kauf probe gesessen und darauf geachtet, dass die Sitzfläche tief genug ist. Manche Modelle sehen toll aus, drücken aber nach einer Stunde auf die Oberschenkel. Eine Polsterung von mindestens acht Zentimetern ist ein guter Anhaltspunkt. Wenn der Stuhl eine leichte Lordosenstütze hat, umso besser. Bei der Sitzbank habe ich Rückenkissen in verschiedenen Größen parat, damit jeder Gast die ideale Position findet. So wird das Esszimmer einrichten zu einem Prozess, der Freude macht und den Alltag erleichtert.
Ich habe schon so manchen Abend damit verbracht, durch Möbelkataloge zu blättern und dabei völlig zu vergessen, dass das Wohnzimmer eigentlich schon fertig eingerichtet ist. Aber dann fällt mein Blick auf das Fenster – kahl, nackt, irgendwie unfertig. Vorhänge und Gardinen sind für mich das Geheimnis eines gemütlichen Raumes. Sie nehmen die Härte aus den Linien, lassen Licht weicher werden und geben einem Zimmer erst seine eigene Persönlichkeit. Ohne sie wirkt selbst die teuerste Couch wie auf einem Ausstellungsboden. Deshalb nehme ich mir bei der Auswahl immer besonders viel Zeit.
Als ich vor einigen Jahren in meine erste eigene Wohnung zog, war ich überwältigt von der Herausforderung, alles Notwendige auf gerade einmal 35 Quadratmetern unterzubringen. Die Decken waren hoch, aber die Fläche begrenzt. Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich realisierte, dass mein geliebtes Sofa einfach zu massiv war und den gesamten Raum erdrückte. Raumorganisation wurde damals zu meiner täglichen Obsession. Ich lernte schnell, dass es nicht darum geht, möglichst viel zu verstauen, sondern darum, die vorhandenen Quadratmeter intelligent zu nutzen. Ein gut geplanter Grundriss kann aus einer beengten Einzimmerwohnung ein gemütliches Zuhause machen, in dem jeder Gegenstand seinen festen Platz hat.
Ich habe auch gelernt, dass der Bodenbelag eine Rolle spielt. Hartes Fliesen oder Beton ist auf Dauer anstrengend für die Gelenke. Ich habe eine dicke Gummimatte vor die Arbeitsfläche gelegt, die Stöße abfedert. Das macht einen großen Unterschied, wenn ich stundenlang stehe. Wer eine offene Küche hat, kann sogar einen Teppich mit rutschfester Unterlage nutzen. Aber Vorsicht: Er sollte leicht zu reinigen sein, denn Küchen sind schmutzanfällig. Eine weitere Idee ist die Nutzung von Schränken mit Schwingtüren, die nicht in den Gang ragen. So vermeidet man Stöße an Hüfte oder Kopf. Auch die Höhe der Dunstabzugshaube sollte so sein, dass man sich nicht den Kopf stößt, aber trotzdem gut kochen kann.
Nach und nach kamen praktische Elemente dazu. Ein Sideboard mit Schubladen und offenen Fächern nahm das tägliche Geschirr auf, die Tischsets und sogar ein paar Kochbücher. Darüber hängt ein großer Spiegel, der den Raum optisch verdoppelt. Die größte Hürde war aber die Gästesituation. Wenn Freunde von weiter weg kamen, mussten wir improvisieren. Eine normale Luftmatratze im Esszimmer – das sah nie gut aus und war unbequem. Also suchte ich nach einer Lösung, die den Raum tagsüber nicht dominiert. Ich stieß auf eine Sitzbank mit integrierter Schlaffunktion. Sie steht an der Längsseite des Tisches und bietet tagsüber Platz für zwei Personen. Nachts wird sie ausgezogen, und der Mechanismus DL verwandelt sie in eine Liegefläche von 140 mal 200 Zentimetern.
Viele meiner Kunden kommen mit dem Problem zu mir, dass ihre Wohnung zu klein ist oder die Fenster ungünstig liegen. In einer Mietwohnung mit nur 45 Quadratmetern kann ein schwerer Vorhang den Raum schnell erdrücken. Da rate ich zu leichten, luftigen Gardinen aus Voile oder Leinen. Sie lassen Tageslicht hindurch, ohne dass man von der Straße aus direkt hereinschaut. Für das Schlafzimmer hingegen wähle ich blickdichte Stoffe. Nichts ist unangenehmer, als morgens um sechs vom ersten Sonnenstrahl geweckt zu werden, wenn man eigentlich noch zwei Stunden Schlaf braucht.
Ein häufiges Problem in Altbauwohnungen sind die Heizkörper. Meine waren aus den 60ern und sahen furchtbar aus. Ich kaufte einen alten Holzsichtschutz aus dem Baumarkt, den ich mit weißer Kreidefarbe strich und mit einem leichten Schleifpapier bearbeitete. Jetzt kaschiert er den Heizkörper und sieht aus wie ein kleines Möbelstück. Oben drauf steht eine alte Emaillekanne mit Trockenblumen. So ein Detail kostet fast nichts, verändert aber den gesamten Charakter des Raums. Der Provence-Stil ist ja nicht teuer, er braucht nur Geduld und ein Auge fürs Detail.
Besonders knifflig wird es, wenn man Platz sparen muss. Ich erinnere mich an eine junge Familie, die in einer Zweizimmerwohnung lebte und dringend ein Bett für Gäste brauchte. Sie entschieden sich für ein Bett mit Boxspring und integriertem Stauraum, aber die Gardinen waren zu lang und hingen bis auf den Boden. Das sah nicht nur unordentlich aus, sondern behinderte auch das Öffnen des Fensters. Nach einigem Hin und Her kürzten wir die Vorhänge auf Fensterbankhöhe und setzten auf schmale Raffrollos oben drüber. So hatten sie Lichtkontrolle und der Raum wirkte größer.