Spätsommer oder Spätwinter: Wann der Schnitt die Fassade wirklich schützt
Nach dem Schärfen muss die Schere wieder eingestellt werden. Zwischen den beiden Klingen liegt eine Schraube, die den Anpressdruck regelt. Ist sie zu locker, weichen die Klingen beim Schnitt auseinander und das Material wird gequetscht. Ist sie zu fest, schleifen die Klingen Metall auf Metall, werden heiß und stumpf. Die richtige Einstellung findest du, indem du die Schere schließt und die Klinge leicht gegen die andere drückst: Ein minimaler Spalt bleibt, aber kein Lichtschein ist sichtbar. Öffne und schließe die Schere mehrmals; sie muss leicht laufen, ohne zu wackeln.
Wann das Bluten unbedenklich ist Harmlos bleibt der Austritt, solange er klar bis leicht trüb ist, geruchlos bleibt und die Schnittflächen sauber aussehen. Ein weiteres sicheres Zeichen: Das Bluten beginnt an mehreren Reben gleichzeitig und endet innerhalb weniger Wochen. Wer nach dem Rebschnitt auf günstige Witterung geachtet hat, also bei trockenem, mildem Wetter geschnitten hat, reduziert das Risiko zusätzlich. Ein leichter Austritt an dicken Schnittflächen ist sogar ein Hinweis auf einen vitalen Wurzelapparat.
Ein häufiger Fehler ist der Schnitt „auf Auge" bei jungen Bäumen. Wer die Spitze des Mitteltriebs kappt, provoziert eine Krone aus Konkurrenztrieben. Besser lässt man den Mitteltrieb durchlaufen und entfernt nur Konkurrenztriebe, die ihn überragen. Bei älteren Bäumen mit dichtem Kronendach reicht es oft, zwei bis drei starke Äste über mehrere Jahre verteilt herauszunehmen. Wer alles auf einmal schneidet, erntet im nächsten Jahr fast nichts und im übernächsten einen Busch aus Reisig.
Zuerst werden die beiden Endpunkte der Hecke festgelegt. An jeder Seite schlägt man einen Stab senkrecht in den Boden, möglichst aus hartem Holz und mindestens so lang, dass er die gewünschte Endhöhe der Hecke deutlich überragt. Die Stäbe dürfen nicht wackeln; lockere Stäbe verziehen die Schnur und damit die gesamte Kante. Steht der Boden weich, treibt man die Stäbe mit einem Gummihammer tiefer, bis sie sich nicht mehr bewegen. Anschließend wird die Schnur zwischen beiden Stäben gespannt, und zwar auf genau der Höhe, die die Hecke später haben soll.
Die Reichweite der Arme ist der zweite kritische Punkt. Ein sicherer Schnitt ist nur möglich, wenn Schulter, Ellenbogen und Handgelenk in einer Linie arbeiten können, ohne dass die Schulter angehoben oder nach hinten gedrückt wird. Als Faustregel gilt: Die Säge bleibt innerhalb einer gedachten Linie zwischen den Schultern, und der Kopf bleibt senkrecht über dem Körper. Wer die Säge seitlich am Körper vorbeiführt oder über Kopfhöhe arbeitet, verliert die Kontrolle über den Schnittverlauf und kann abrutschen.
Dieser Vorgang ist kein Zeichen von Krankheit, sondern ein normaler physiologischer Prozess. Der Druck in den Gefäßen entsteht, weil die Wurzeln Wasser pressen, während die Knospen noch nicht austreiben und kaum Wasser verbrauchen. Sobald die ersten Blätter erscheinen und Transpiration einsetzt, lässt der Druck nach und das Bluten stoppt von selbst. Entscheidend ist also der Entwicklungsstand der Rebe, nicht die Menge der austretenden Flüssigkeit.
Ein häufiger Fehler ist, das Bluten mit Wundverschlussmitteln stoppen zu wollen. Das bringt nichts, weil der Druck aus dem Wurzelsystem kommt und nicht aus der Wunde selbst. Ebenso falsch ist es, in dieser Phase zu gießen oder zu düngen, um den Austritt zu beeinflussen. Wer jetzt eingreift, stört eher die natürliche Regulation. Besser ist es, die Rebe in Ruhe zu lassen, den Boden nicht zu verdichten und auf ausreichende Luftbewegung im Laubbereich zu achten.
Ein Schnitt im Spätwinter wirkt anders als derselbe Schnitt im Herbst. Wer Hecken, Sträucher oder Bäume direkt vor dem Austrieb zurückschneidet, nutzt einen Zeitpunkt, an dem die Pflanze ihre Reserven noch nicht in neues Holz und Laub gesteckt hat. Die Wunden liegen dann nur wenige Wochen offen, bevor der Saftdruck steigt und die Pflanze mit dem Überwallen beginnt. Genau diese kurze Lücke ist der Grund, warum die Fassade in den folgenden Monaten am längsten ruhig bleibt.
Wenn im zeitigen Frühjahr aus Schnittwunden am Rebstock klare Flüssigkeit austritt, spricht man vom Bluten der Rebe. Der Austritt beginnt meist, sobald der Boden sich auf etwa acht bis zehn Grad erwärmt hat und die Wurzeln wieder aktiv Wasser aufnehmen. Da die Leitungsbahnen im Holz durch den Winterschnitt geöffnet sind, sucht sich das Wasser einen Weg nach außen. Tropfen fallen dann von den Schnittstellen, manchmal über Tage, manchmal über Wochen.
Vor jedem Schnitt wird geprüft, ob das Werkstück fest aufliegt und nicht zurückschwingen kann. Ein Ast, der unter Spannung steht, klemmt das Sägeblatt ein und reißt die Leiter mit. Solche Stellen werden zuerst entlastet, indem von der Zugseite her eingeschnitten wird. Die Säge wird mit ruhigem, gleichmäßigem Druck geführt, nicht mit Gewalt. Ruckartige Bewegungen bringen die Leiter zum Schwingen, besonders auf glattem Untergrund. Wer merkt, dass der Arm zu weit ausgestreckt ist oder die Sprosse zu schmal wird, steigt ab und stellt die Leiter neu auf. Das kostet weniger Zeit als ein Sturz.