Was Passiert, Wenn Du Poolish Oder Biga Statt Sauerteig Nutzt
So setzt du Poolish und Biga richtig an Für einen Poolish mit 500 Gramm Mehl und 500 Gramm Wasser nimmst du einen Gramm frische Hefe oder etwa 0,3 Gramm Trockenhefe. Verrühre alles nur so lange, bis keine Mehlklumpen mehr da sind. Ein Schneebesen reicht, ein Kneter ist übertrieben. Bei Biga mit 500 Gramm Mehl und 300 Gramm Wasser nimmst du zwei Gramm frische Hefe. Hier musst du kräftiger mischen, bis ein grober, leicht klebriger Klumpen entsteht. Lass den Teig nicht zu glatt werden – sonst verlierst du die unregelmäßige Struktur, die später im Brot für die offene Krume sorgt.
Wer kein Sauerteig führen will, aber trotzdem Brot mit Tiefe und Kruste backen möchte, kommt an Poolish und Biga nicht vorbei. Beide sind sogenannte Vorteige: Mehl, Wasser und eine winzige Menge Hefe, die über Stunden oder Tage reifen. Poolish ist flüssig, mit einem Wasseranteil von etwa 100 Prozent, also gleichen Teilen Mehl und Wasser. Biga ist fest, mit rund 50 bis 60 Prozent Wasser. Die Hefe macht nur einen Bruchteil aus: bei Poolish etwa 0,1 bis 0,3 Prozent der Mehlmenge, bei Biga 0,5 bis 1 Prozent. Diese Mengen reichen, um Milchsäure- und Essigsäurebakterien nicht zu züchten, aber Enzyme und wilde Hefen im Mehl in Gang zu bringen.
Beobachte den Teig nach der Autolyse genau. Er sollte sich beim Dehnen wie ein Gummiband verhalten, nicht wie ein alter Faden. Wenn er immer noch reißt, hilft eine zweite kurze Ruhephase von 15 Minuten nach dem Salzen. Bei Roggenmehl ist Vorsicht geboten: Roggen enthält wenig Kleber, aber viel Pentosane. Eine Autolyse mit Roggenanteil über 30 Prozent kann den Teig klebrig machen. Hier besser nur den Weizenanteil autolysieren und den Roggen später zugeben. Mit etwas Übung wird die Autolyse zum festen Schritt bei jedem zähen Mehl – und das Kneten wird kürzer, der Teig geschmeidiger, das Ergebnis gleichmäßiger.
Der Unterschied zum direkten Hefeteig liegt in der Zeit. Ein Poolish reift bei kühler Raumtemperatur, etwa 18 bis 20 Grad, zwischen zwölf und sechzehn Stunden. Er ist fertig, wenn die Oberfläche voller Bläschen ist, leicht nach Alkohol und Joghurt riecht und sich beim Anheben des Gefäßes langsam bewegt. Biga braucht länger, oft achtzehn bis vierundzwanzig Stunden, und darf dabei nicht austrocknen. Ein feuchtes Tuch über der Schüssel genügt. Wichtig: Beide Vorteige dürfen nicht überreifen. Nach der Reifezeit fallen sie in sich zusammen, riechen stechend und verlieren ihre Triebkraft. Dann hilft nur noch wegwerfen und neu ansetzen.
So wird das Brot knusprig und haltbar Die Würfel verteilst du auf einem Backblech. Wichtig: Sie dürfen sich nicht überlappen, sonst trocknen sie ungleichmäßig. Bei 150 Grad Umluft backst du sie etwa 15 bis 20 Minuten. Nach der Hälfte der Zeit wendest du sie einmal. Das Brot ist fertig, wenn es sich leicht anfühlt und beim Schütteln des Blechs klappert. Lass es danach vollständig auf dem Blech abkühlen – warm eingefüllt bildet sich Kondenswasser und die Knusprigkeit geht verloren. In einem Schraubglas hält sich das geröstete Brot mehrere Wochen.
Aufgetautes Brot schmeckt nur dann wie frisch, wenn es kurz aufgebacken wird. Den Backofen auf 160 bis 180 Grad vorheizen, bei Umluft etwas niedriger. Die Scheiben oder den halbierten Laib auf ein Blech legen und mit etwas Wasser besprühen. Das Wasser bildet Dampf und macht die Kruste wieder knusprig. Zwei bis fünf Minuten reichen bei Scheiben, ein halber Laib braucht acht bis zwölf Minuten. Wer das Brot zu lange im Ofen lässt, bekommt eine harte Rinde und eine trockene Krume.
Altes Brot ist kein Abfall. Wenn es trocken und hart geworden ist, lässt es sich mit wenigen Handgriffen in ein knuspriges Frühstücksmüsli verwandeln. Der Vorteil: Du brauchst keine speziellen Zutaten, kein teures Equipment und keine langen Wartezeiten. Ein Backblech, ein Messer und ein Ofen reichen aus. Wichtig ist nur, dass das Brot wirklich trocken ist – weiches Brot schimmelt schnell und eignet sich nicht.
Der häufigste Fehler ist zu viel Hefe. Wer denkt, mehr Hefe beschleunigt die Reifung, bekommt einen Vorteig, der nach zwei Stunden durch ist und dann kippt. Halte dich an die niedrigen Mengen, auch wenn der Teig zunächst kaum aktiv wirkt. Ein zweiter Fehler ist falsche Temperatur. Steht der Poolish über der Heizung oder in der prallen Sonne, reift er zu schnell und wird sauer. Ein kühler Keller oder die untere Ablage des Kühlschranks bei fünf Grad sind besser; dann dauert die Reifung bis zu vierundzwanzig Stunden, was das Aroma intensiviert.
Wenn der Vorteig reif ist, kommt er direkt in den Hauptteig. Rechne das enthaltene Mehl und Wasser von der Gesamtmenge ab. Ein Brot mit 1000 Gramm Mehl und 700 Gramm Wasser, bei dem der Poolish 300 Gramm Mehl und 300 Gramm Wasser liefert, braucht also nur noch 700 Gramm Mehl und 400 Gramm Wasser zusätzlich. Salz gibst du erst im Hauptteig dazu, etwa zwei Prozent der Gesamtmehlmenge, also zwanzig Gramm auf ein Kilo. Knete den Teig gründlich, bis er sich dehnt, und lass ihn dann noch ein- bis zweimal gehen. Das Ergebnis: ein Brot mit nussigem Aroma, dunkler Kruste und einer Krume, die nicht nach Hefe schmeckt.