Wenn Bypass Und Amboss Im Werkzeugkasten Liegen: Was Schneidet Was

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So wird der Schnitt in der Praxis ausgefüh

Was am Schnitttag konkret zu tun i

Sicheres Schneiden von der Leiter ist keine Frage von Mut, sondern von Geometrie: Leiterwinkel, Fußstellung, Hüftlage und Armreichweite müssen zusammenpassen. Wer diese vier Punkte kontrolliert, schneidet langsamer, aber er kommt heil unten an.

Bevor überhaupt geschnitten wird, muss die Leiter richtig stehen. Auf festem, ebenem Untergrund, mit vollständig ausgeklappten Spreizsicherungen und einem Anstellwinkel von etwa 75 Grad. Ein einfacher Test: Füße an die Holmenden stellen, Arme nach vorn ausstrecken. Berühren die Hände die Sprosse auf Schulterhöhe, stimmt der Winkel. Weicher Boden, Gefälle oder lose Platten sind tabu. Wer die Leiter auf einen Steinblock stellt, um Höhe zu gewinnen, hat schon verloren.

Wer auf einer Leiter schneidet, Äste kappt oder Kabel kürzt, arbeitet fast immer außerhalb des Bereichs, für den eine Leiter gebaut wurde. Das Problem beginnt nicht erst beim Sturz. Es beginnt in dem Moment, in dem die Hände weiter greifen, als die Füße noch sicher stehen. Der Körper verlagert den Schwerpunkt, das Gleichgewicht kippt, und die Säge tut ihr Übriges, weil sie eine seitliche Kraft erzeugt.

Für den Rückschnitt eignet sich eine scharfe, saubere Gartenschere. Zunächst werden alle abgestorbenen, kranken oder sich kreuzenden Äste entfernt. Anschließend kürzt man die verblühten Triebe um etwa ein Drittel bis zur Hälfte ein. Ein kräftiger Rückschnitt bis auf wenige Augen ist möglich, wenn der Strauch zu groß geworden ist oder von unten kahl wird. Wichtig: Schneiden Sie immer knapp über einem nach außen zeigenden Auge, damit die neuen Triebe nach außen wachsen und der Strauch sich nicht verdichtet. Ein zu radikaler Schnitt ins alte Holz kann die Blühfreudigkeit für ein bis zwei Jahre mindern, ist aber manchmal nötig, um einen völlig überalterten Strauch zu verjüngen.

Typische Fehler wiederholen sich: auf der obersten Sprosse stehen, mit einer Hand sägen und mit der anderen die Leiter umklammern, das Schnittgut zwischen den Beinen einklemmen oder die Leiter während des Schnitts mit dem Fuß verschieben. Ebenso unterschätzt wird der Rückschlag, wenn die Säge klemmt und der Körper nach vorn gerissen wird. Deshalb vor jedem Schnitt prüfen, ob das Material frei fällt und ob der Stand auch dann hält, wenn der Widerstand plötzlich wegbricht.

Der sichere Stand entsteht nicht durch Festhalten, sondern durch Hüfte und Füße Beim Schneiden gehören beide Füße auf dieselbe Sprosse oder auf zwei benachbarte, nie auf die oberste. Die Hüfte bleibt innerhalb der Holme. Wer sich mit dem Oberkörper über die Seite lehnt, findet keinen Halt mehr, weil das Becken gegen den Holm drückt und die Füße entlastet. Die freie Hand hält nicht die Leiter, sondern führt das Werkzeug oder sichert das Schnittgut. Ein weit ausgestreckter Arm ist ein Warnsignal, kein Arbeitsschritt.

Warum Amboss-Scheren lebendes Holz ruinieren können Amboss-Scheren sind keine schlechten Werkzeuge, sie sind nur für anderes gedacht. Die Auflage aus weichem Metall oder Kunststoff drückt die Rinde ein, bevor die Klinge trennt. An trockenem Holz ist das egal – an grünem Ast entsteht eine Quetschwunde, die Pilze einlädt. Deshalb: Amboss nur für totes Holz, für Reisig, Wurzeln, Draht, Verpackungsbänder oder Äste, die ohnehin tot sind. Der Kraftvorteil durch den Hebel ist enorm, weshalb sie bei starkem Material überlegen ist. Aber wer mit ihr regelmäßig lebende Triebe schneidet, darf sich über braune Ränder und absterbende Zweigspitzen nicht wundern.

Bypass-Scheren sind für lebendes Holz gebaut. Die Klinge dringt ein, schneidet sauber und hinterlässt eine glatte Wunde, die der Baum mit Kallus überwallen kann. Entscheidend ist die Klingenstellung: Bei geschlossener Schere muss die Schneide die Gegenklinge satt berühren, nicht klemmen und nicht klaffen. Ein Blatt Papier, zwischen die Klingen geschoben und mit leichtem Zug gehalten, sollte sauber durchtrennt werden. Rutscht es durch, ist die Schere locker; reißt es aus, ist sie zu stramm. Beim Schnitt setzt man die Klinge an der Astunterseite an, dreht die Schere leicht und zieht in einem Zug durch. Zweimal ansetzen quetscht das Kambium.

Ein häufiger Fehler: Die Gegenklinge wird nachgeschärft. Bei Bypass-Scheren ist das falsch und zerstört die Geometrie. Geschärft wird ausschließlich die Klinge, und zwar auf der Fase, mit einer Feile oder einem flachen Stein in gleichmäßigen Zügen. Die Gegenklinge bleibt unangetastet. Bei Amboss-Scheren schärft man die Klinge ebenfalls nur einseitig, der Amboss wird lediglich von Harz und Schmutz befreit. Wer beide Seiten bearbeitet, bekommt eine Schere, die nicht mehr schließt.

Der Schnitt erfolgt in zwei Stufen. Zuerst sägt man den Ast ein Stück außerhalb des Kragens von unten an, dann von oben, bis er herunterfällt. Diese Kerbe verhindert, dass die Rinde beim Abbrechen in den Stamm hineinreißt. Erst danach setzt man den eigentlichen Schnitt direkt am äußeren Rand des Astkragens an, ohne ihn zu verletzen. Die Säge oder Schere bleibt parallel zur Stammachse, nicht schräg nach innen. Ein leicht ovaler Schnitt senkrecht zur Astachse ist richtig, ein konkaver Hohlraum falsch.