5 Regeln für den Schnitt von einmal und zweimal tragenden Himbeeren
Der beste Zeitpunkt liegt zwischen Januar und Anfang März, an frostfreien Tagen. Bei starkem Frost oder Nässe wird nicht geschnitten, weil die Schnittwunden dann schlecht verheilen. Benötigt werden eine scharfe Schere, eine kleine Säge für dickere Reben und ein sauberes Tuch zum Abwischen der Klingen. Vor dem Schnitt lassen sich Triebe anheben und begutachten: Gesunde, gut ausgereifte Ruten erkennt man an einer gleichmäßigen, braunen Färbung, während grüne oder fleckige Triebe entfernt werden.
Die Bypassschere funktioniert wie eine Haushaltsschere. Eine gebogene Klinge gleitet an einer zweiten, meist geraden Klinge vorbei. Der Schnitt ist sauber und hinterlässt eine glatte Wundfläche, weil das Holz nicht gestaucht, sondern durchtrennt wird. Das ist entscheidend für lebendes Holz: Eine gequetschte Schnittstelle heilt schlechter, pilzt schneller und treibt unkontrolliert aus. Bypassscheren gehören deshalb an grüne Triebe, junge Äste und alles, was noch Saft führt.
Bei zweimal tragenden Sorten ist der Schnitt anders. Diese Pflanzen tragen im Herbst am oberen Teil der einjährigen Rute. Im darauffolgenden Sommer fruchtet der untere Teil derselben Rute. Nach der zweiten Ernte stirbt die Rute ab. Hier gibt es zwei Strategien: Entweder man schneidet im Spätherbst nach der Herbsternte alle Ruten bodennah ab – dann gibt es nur eine Ernte pro Jahr, aber kräftige Pflanzen. Oder man lässt die Ruten stehen und erntet im nächsten Sommer ein zweites Mal an derselben Rute. Wer sich für die zweite Variante entscheidet, muss nach der Sommerernte die abgetragenen Ruten entfernen.
Wer auf einer Leiter arbeitet, neigt dazu, sich mit ausgestreckten Armen nach vorne zu lehnen, um noch den letzten Schnitt zu erreichen. Genau in diesem Moment kippt die Leiter oder die Sprosse rutscht weg. Der sichere Stand hat Vorrang vor jeder Reichweite. Bevor die Säge oder der Astschneider überhaupt angesetzt wird, muss die Leiter so positioniert sein, dass beide Füße fest auf einer Sprosse stehen und die Hüfte innerhalb der Holme bleibt. Wer sich mit dem Oberkörper über die Holme hinauslehnt, verlagert den Schwerpunkt nach außen und hebt die gegenüberliegenden Leiterfüße an.
Im Sommer ist nur wenig Korrektur nötig. Der eine Trieb wird an einem Draht oder einer Stütze hochgebunden, damit er nicht abbricht. Blätter im Bereich der Traubenzone werden vorsichtig ausgedünnt, aber nicht übermäßig. Zu viel Entblätterung führt zu Sonnenbrand auf den Beeren. Der Trieb selbst darf nicht eingekürzt werden, solange er wächst, denn jede Kürzung kostet Ertrag. Erst nach der Lese oder im darauffolgenden Winter wird dieser Trieb wieder auf ein einziges Auge zurückgeschnitten. So bleibt der Stock dauerhaft in einem festen Rhythmus: ein Auge, ein Trieb, eine Ernte.
Der richtige Zeitpunkt für den Schnitt ist entscheidend. Einmal tragende Sorten werden direkt nach der sommerlichen Ernte geschnitten, meist im Juli oder August. Zweimal tragende Sorten schneidet man entweder im Spätherbst nach der Herbsternte oder im zeitigen Frühjahr, bevor der Neuaustrieb beginnt. Ein Schnitt im Winter bei Frost ist zu vermeiden, weil die Wunden dann schlecht verheilen. Nach dem Schnitt empfiehlt es sich, die Rutenreste aus dem Beet zu entfernen, um Pilzsporen keine Angriffsfläche zu bieten. Wer diese Regeln beachtet, erhält über Jahre hinweg gleichbleibend hohe Erträge – unabhängig davon, welchen Typ Himbeere im Garten steht.
Die Wahl hängt also vom Zustand des Holzes ab, nicht von der Vorliebe. Ein typischer Fehler: Mit der Bypassschere wird versucht, einen trockenen, harten Ast zu kappen. Die Klingen weichen seitlich aus, das Holz rutscht zwischen sie, und der Schnitt wird unsauber oder die Schere verbiegt. Umgekehrt quetscht eine Ambossschere an jungen Trieben das Kambium, die Wunde heilt schlecht, und der Trieb stirbt oft oberhalb der Schnittstelle ab.
Ein häufiger Fehler ist das Arbeiten mit einer Hand, während die andere den Körper abstützt. Wer sägt oder schneidet, braucht beide Hände für das Werkzeug und den sicheren Griff. Das bedeutet: Die Leiter muss so stehen, dass beide Füße festen Halt haben und der Körper nicht zusätzlich balanciert werden muss. Wer ein Bein auf eine höhere Sprosse stellt, um näher an den Ast zu kommen, verliert die stabile Dreipunkt-Auflage. Besser ist es, die Leiter seitlich zu versetzen und den Schnitt von einer neuen Position auszuführen.
Warum die Ambossschere bei Totholz punktet Die Ambossschere arbeitet mit einer geraden Klinge, die auf eine weiche Auflage aus Kunststoff oder Leichtmetall trifft. Diese Auflage heißt Amboss. Beim Schließen wird das Holz gegen den Amboss gedrückt und durchtrennt – ähnlich wie bei einem Meißel auf einem Schneidebrett. Der Vorteil: Es braucht weniger Kraft, und die Klinge verzeiht Aststärken, die eine Bypassschere sprengen würden. Trockenes, hartes oder abgestorbenes Holz lässt sich so kontrollierter zerteilen. Der Nachteil ist die Quetschung an der Schnittstelle. Deshalb setzt man sie nicht an lebendem Gewebe ein, das weiterwachsen soll.