Warum der Stand auf der Leiter wichtiger ist als die Armlänge

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Der Hüfttest als einfache Kontrolle Ein brauchbarer Anhaltspunkt für den sicheren Stand: Solange der Bauchnabel zwischen den beiden Holmen bleibt, ist die Position in Ordnung. Sobald die Hüfte über den Holm hinausragt, wird es kritisch. Wer weiter reichen muss, steigt eine Sprosse herunter, rückt die Leiter näher an den Arbeitsbereich oder nutzt ein Werkzeug mit längerem Stiel. Ein Teleskop-Astschneider verlängert die Reichweite um zwei bis drei Meter, ohne dass der Körper die Leiter verlassen muss. Genau das ist der eigentliche Zweck solcher Geräte, nicht das Überbrücken von zwei Metern Leiterabstand.

Beim Rebschnitt entscheidet nicht die Zahl der Knospen pro Rebe über den Ertrag, sondern die Zahl der Augen pro Quadratmeter Rebfläche. Ein Auge ist eine Knospe am einjährigen Holz, aus der im Frühjahr ein Trieb mit Trauben austreibt. Wer den Ertrag dosieren will, muss also nicht die Rebe, sondern die Fläche rechnen. Der Richtwert liegt je nach Sorte, Lage und Erziehungsform meist zwischen acht und zwölf Augen pro Quadratmeter. Diese Zahl ist die Grundlage, alles andere leitet sich davon ab.

Typische Fehler häufen sich: Mit der Astschere wird dicker Totholzast geknackt, die Säge ist seit Monaten ungeschärft, es wird mit Gewalt statt mit Geduld gearbeitet. Wer Totholz regelmäßig schneidet, sollte die Säge nach jedem Einsatz reinigen und die Zähne mit einer Feile nachziehen. Eine scharfe Säge braucht weniger Kraft, schneidet genauer und hinterlässt eine glatte Fläche, die Regen abweist. Die Schere bleibt für lebendes, dünnes Grün – Totholz verlangt die Säge, und zwar eine, die wirklich scharf ist.

Frisches Holz aus dem Winterschnitt enthält viel Zucker und Feuchtigkeit. Wird es sofort gehäckselt und dick auf Beete aufgebracht, beginnt es zu gären. Dabei entziehen Mikroorganismen dem Boden Stickstoff, und die Pflanzen darüber hungern. Der typische Fehler: eine dicke Schicht reinen Holzhäcksels direkt an Stauden oder junge Gehölze. Besser ist es, das Material einige Wochen abzulagern, damit es vorreif, oder es mit weichem Grünmaterial zu mischen.

Eine Schere lässt sich mit einer Feile in zwei Minuten nachziehen. Eine Säge verlangt mehr Aufwand, weil jeder Zahn einzeln geschärft werden muss. Bei einer Bügelsäge mit grober Zahnung reicht oft eine Rundfeile im passenden Durchmesser. Die Feile wird im gleichen Winkel geführt, in dem der Zahn ursprünglich geschliffen wurde. Zu flach gefeilt, verliert der Zahn seinen Spanraum. Zu steil gefeilt, reißt er aus. Nach fünf bis acht Feilstrichen pro Zahn ist der Grat spürbar. Ein Grat auf der Rückseite zeigt, dass genug Material abgetragen wurde.

Augen, Zapfen und Triebe nicht verwechseln Häufig werden Augen mit den Zapfen verwechselt. Ein Zapfen ist der kurze, auf ein bis zwei Augen zurückgeschnittene Stummel, der als Fruchtholz dient. Ein Auge dagegen ist die einzelne Knospe. Beim Winterschnitt zählt man also die verbleibenden Augen, nicht die Zapfen und nicht die späteren Triebe. Ein typischer Fehler ist, im Frühjahr die ausgetriebenen Triebe zu zählen und danach zu korrigieren. Dann ist der Schnitt längst erfolgt, und die Rebe hat bereits Kraft in unnötige Triebe gesteckt. Gezählt wird im Winter am Holz, nicht im Sommer am Laub.

Totholz ist kein normales Holz. Es hat Jahre oder Jahrzehnte im Wald gelegen, wurde von Pilzen durchzogen, von Insekten zerfressen und von Witterung ausgehöhlt. Wer es zerkleinern will, greift oft reflexartig zur Astschere. Das ist bei dünnen Zweigen bis etwa fingerdick noch vertretbar. Sobald der Durchmesser darüber liegt, wird die Schere zum falschen Werkzeug – nicht, weil sie zu schwach wäre, sondern weil sie das Material quetscht statt es zu durchtrennen.

Nach dem Schnitt folgt die Kontrolle. Pro Parzelle werden einige Reben ausgezählt und die Augen pro Quadratmeter hochgerechnet. Weicht das Ergebnis stark vom Zielwert ab, wird nachjustiert, solange das Holz noch liegt. Ein weiterer Fehler ist, den Schnitt auf einen einzigen Tag zu legen und danach nicht mehr hinzusehen. Reben reagieren auf Witterung und Vorjahresertrag, deshalb sollte die Augenzahl jedes Jahr neu bestimmt werden. Wer nur einmal rechnet und danach immer gleich schneidet, verliert die Kontrolle über den Ertrag.

Die Verteilung der Augen auf der Rebe ist ebenso wichtig wie ihre Zahl. Alle Augen auf einen langen Bogen zu legen belastet die Basis und lässt die Spitze verkahlen. Besser ist eine Mischung aus kurzen Zapfen am alten Holz und einem oder zwei längeren Fruchtruten, je nach Erziehungssystem. Bei schwacher Holzentwicklung wird die Augenzahl nach unten korrigiert, bei kräftigen Reben nach oben. Wer die gleiche Zahl über alle Reben verteilt, ignoriert die Unterschiede im Boden und im Wuchs und verliert Ertrag oder Qualität.

Ein häufiger Fehler ist das Arbeiten mit einer Hand, während die andere den Körper abstützt. Wer sägt oder schneidet, braucht beide Hände für das Werkzeug und den sicheren Griff. Das bedeutet: Die Leiter muss so stehen, dass beide Füße festen Halt haben und der Körper nicht zusätzlich balanciert werden muss. Wer ein Bein auf eine höhere Sprosse stellt, um näher an den Ast zu kommen, verliert die stabile Dreipunkt-Auflage. Besser ist es, die Leiter seitlich zu versetzen und den Schnitt von einer neuen Position auszuführen.